Erfahrungsbericht Referendariatsstation bei PETA Deutschland e. V.

Die ersten Gedanken an Tierschutz lösen meist Assoziationen wie „Veganismus“, „Demonstrationen“ oder „ehrenamtliche Tierheimarbeit“ aus. Jura reiht sich wohl eher am hinteren Ende dieser Liste ein. Aufgrund der stetig wachsenden Sensibilisierung der Gesellschaft für Tier- und Umweltschutz sowie der Entwicklung von Tierschutzbestimmungen sind die Berührungspunkte der größten Tierschutzorganisation Deutschlands mit rechtlichen Fragestellungen unausweichlich. Wie ich mein erlerntes juristisches Handwerkszeug im Dienste des Tierschutzes einsetzen kann, interessierte mich brennend, weshalb ich im Winter 2021/22 einen Teil meines Referendariats bei PETA in der Rechtsabteilung in Berlin absolviert habe. Leider – aber unvermeidlicherweise – unter dem Einfluss von Corona. Insgesamt konnte ich mir dennoch einen umfassenden und positiven Eindruck machen.

Die Suche nach der richtigen Station

Nach meinen ersten klassischen Ausbildungsstätten bei Gericht, Staatsanwaltschaft und in einer Anwaltskanzlei war ich auf der Suche nach einer Station, in der ich meine Fähigkeiten mit meinen privaten Interessen noch sinnstiftender vereinen kann. Da diese unter anderem im Bereich Umweltschutz liegen, welcher untrennbar mit Tierschutz verbunden ist, bin ich auf der Suche nach Referendariatsstationen bei Ministerien, Umweltverbänden und Kanzleien schnell auf die Möglichkeit gestoßen, PETA zu einem Abschnitt meines Referendariats zu machen. Und so lief meine Station von der Bewerbung bis zum Abschied ab:

Die Bewerbung

Kurz nach meiner Bewerbung wurde ich zu einem Videocall eingeladen. Diesen führte ich mit einer Mitarbeiterin der Rechtsabteilung. Bereits in diesem Gespräch erhielt ich nach ein paar juristischen und allgemeinen Fragen die Zusage für das Referendariat. Es war auch kein Problem, Arbeitszeiten individuell zu gestalten, da ich mich neben der Station noch weiter auf die mündliche Prüfung vorbereiten wollte.

Der erste Tag

Im Berliner Büro im Stadtteil Neukölln wurde ich freundlich von der mir zugewiesenen Ausbilderin empfangen. Nach einem kurzen Kennenlernen wurde mir ein Laptop übergeben und die wichtigsten Arbeitsprogramme erklärt. Sodann startete bereits das wöchentliche Meeting des Rechtsteams via Videocall. Dort werden die Aufgaben, die in der Woche anstehen, besprochen, es werden Ideen ausgetauscht und Arbeiten verteilt. Ich erhielt dann auch schon meine erste Aufgabe: das Erstellen einer Strafanzeige. Ich war also von Anfang an voll involviert. Mir wurde nie das Gefühl vermittelt, mehr Arbeit als Nutzen zu verursachen, um dann mit unwichtigen Aufgaben abgespeist zu werden. Es wirkte für mich eher so, wie schon lange vollwertiger Mitarbeiter in dem Team zu sein.

Das Büro ist modern und hell eingerichtet und bietet Platz für ca. 25 Mitarbeiter:innen. Aufgrund der Pandemie waren jedoch nur wenige Plätze besetzt. Auch ich habe abgesehen von dem ersten Tag aus dem Home-Office gearbeitet. Aufgrund des regen und regelmäßigen Kontakts zum gesamten Team erwies sich dies jedoch nicht als Nachteil.

Der Arbeitsalltag

Im Studium kommt man mit tierschutzrechtlichen Vorschriften äußerst selten in Kontakt. Fundierte Vorkenntnisse in diesem Bereich sind aber zumindest für den Einstieg bei PETA keine zwingende Voraussetzung. Ich konnte mich beim Erstellen von Strafanzeigen schnell in die Vorschriften des Tierschutzgesetzes (TierSchG) mithilfe eines Kommentars einlesen, vergleichbare Fälle und Entscheidungen heranziehen und so Sachverhalte rasch rechtlich würdigen.

Die Arbeit bestand jedoch keineswegs ausschließlich aus dem Schreiben tierschutzrechtlicher Strafanzeigen. Solche waren sogar eher die Ausnahme.

Vielmehr war die Arbeit abwechslungsreicher, als ich zunächst gedacht habe. So erstellte ich auch Strafanzeigen wegen Computerbetruges nach § 263a StGB und Beleidigung nach § 185 StGB zulasten von PETA, ich kreierte juristische Leitfäden für andere Abteilungen im Medien- und Urheberrecht, ich schrieb Gutachten zu konkreten Fragen im Verwaltungsprozessrecht, erstellte Verträge und übernahm viele weitere kleinere und größere Zuarbeiten für das gesamte Rechtsteam. Genau dieser Umgang mit dem allgemeinen juristischen Handwerkszeug bei unbekannten Sachverhalten reizte mich an der Arbeit. Jeden Tag erhielt ich neue Aufgaben, mit denen ich mich auseinandersetzen durfte.

Langeweile und Eintönigkeit kamen dabei nicht auf, da ich stets etwas Neues erlernte. Ich merkte, wie mir mit der Zeit die Handhabung fremder Sachverhalte immer leichter fiel. Schnell wusste ich, wo etwas zu recherchieren ist und wie man zu einer überzeugenden Lösung findet.

Dabei wurde ich stets vom gesamten Team unterstützt. Wenn ich Fragen hatte, wurde kurz via Teams gechattet oder ein kurzes Videotelefonat geführt, sodass ich mich nie mit einer Aufgabe alleingelassen fühlte. Sollte mir eine Aufgabe auch einmal nicht gefallen haben oder fiel mir diese schwer, konnte ich dies auch ohne rot zu werden mitteilen und es wurde eine Arbeit gefunden, die mir mehr lag. Dementsprechend konnte ich meine Stärken bewusster einsetzen und mich auch verwirklichen.

Zuletzt erfüllte mich das Feedback aus dem Rechtsteam und von den anderen Abteilungen mit Freude, wenn meine Arbeiten als besonders wertvoll und hilfreich gelobt wurden.

Nicht nur tierschutzrechtliche Aufgaben

Nachteile waren für mich kaum vorhanden. Es gibt jedoch Punkte, welche als nachteilig empfunden werden können.

Entgegen meinen Erwartungen beanspruchte das Tierschutzrecht nicht den Großteil meiner Arbeit. Dies stellt aber keinen unmittelbaren Nachteil dar, da es neben dem Tierschutzrecht unzählige Themen gibt, mit denen sich Tierschützer:innen in NGOs rechtlich auseinandersetzen müssen. Wer lieber tief im Zwangsvollstreckungsrecht gräbt, ist bei PETA nicht unbedingt gut aufgehoben. Wer aber einen bunten Strauß an Tierschutz-Hundeverordnung, Urheberrecht oder nochmal allgemeines Schuldrecht und vieles Weitere erleben möchte, sollte hier zuschlagen.

Als kommunikativer Mensch, der gern mit verschiedensten Personen in Kontakt tritt, fehlte mir allerdings ein wenig der Kontakt nach außen. Insbesondere regelmäßige Gänge zum Gericht oder Gespräche mit neuen „Mandant:innen“ gab es nicht. Der Besuch einer Behörde, um Akteneinsicht zu beantragen, ist darüber hinaus auch eher eine Ausnahme.

Dennoch wird innerhalb des Teams und mit den verschiedenen Abteilungen viel und auf fast freundschaftlicher Basis kommuniziert.

PETA lebt von Kampagnen. Diese stellen auch die Kernarbeit des Vereins dar. Daher hatte ich manchmal das Gefühl, mit meiner juristischen Arbeit den Tieren nicht unmittelbar helfen zu können. Zumindest sieht man selten einen konkreten Erfolg. Beispielsweise zeigt die Praxis, dass Verfahren bei den Staatsanwaltschaften meist mit Einstellungen enden, da diese nicht genügend Anlass sehen, Anklage zu erheben oder weiter zu ermitteln. Dies kann auf Dauer frustrierend sein.

Trotzdem spornte der Gedanke an den steten Tropfen, der den Stein höhlt, an. Dafür war ich aber wahrscheinlich in den drei Monaten der Station nur zu ungeduldig. PETA‑Mitarbeiter:innen sind wie ineinandergreifende Zahnräder eines Uhrwerks. Als Mitglied des Rechtsteams unterstützte ich neben den Tieren auch die anderen Abteilungen bei ihrer Arbeit. Diese können sodann durch die rechtssichere Beratung durch das Rechtsteam ungestört ihrer Kampagnenarbeit nachgehen, sodass alles wie in einem Schweizer Uhrwerk läuft.

Fazit

Ich kann die Station bei PETA uneingeschränkt empfehlen. Hervorzuheben ist das familiäre Miteinander in dem Rechtsteam, die abwechslungsreiche Arbeit und das Gefühl von Zusammengehörigkeit, welches auf der gemeinsamen Motivation basiert, sich für ein besseres Leben für Tiere und die Etablierung ihrer Rechte einzusetzen. Ich erhielt umfassende Einblicke in die Arbeit einer deutschlandweit agierenden NGO mit Partnerorganisationen auf der ganzen Welt.

Mir wurde Verantwortung übertragen und entsprechendes Vertrauen entgegengebracht. Insgesamt fühlte sich die Zeit bei PETA nicht wie eine Referendariatsstation an, sondern schon wie ein richtiger Beruf; ich war mehr Mitarbeiter als Referendar. Diese Erfahrung empfand ich als ungemein wertvoll, wenn ich bedenke, dass der juristische Vorbereitungsdienst primär auf einen Berufseinstieg und nicht lediglich auf das Ablegen des Zweiten Staatsexamens vorbereiten soll. Wobei ich auch für Letzteres wertvolle Fähigkeiten und Wissen erlernt habe.

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Kilian Huber war im Winter 2021/22 Rechtsreferendar bei PETA Deutschland e.V. in Berlin.